Hans-Joachim Heyer

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DER IRRWEG

Als ich in Gott meine Zweifel verlor,
Kam ich vom Weg, ich einfältiger Tor!
Als ich Gott fast sicher wußte,
Die Seel' in Enge leben mußte!

In den Träumen irrte ich umher, 
Denn ich suchte Gott nicht mehr. 
Ich muß suchen, was ich nicht kenne,
Daß ich nicht falschen Zielen nachrenne!


SINNLOSES LEBEN?

Aus einem Tropfen Nebel
Entsteht ein Schneekristall.
Er leis' zu Boden segelt,
Wächst wunderschön dabei.

Nie wird's was Gleiches geben,
Und hat's sein Ziel erreicht,
Vergeht's wie nie gewesen.
Wie ein Kristall bin ich vielleicht.


KRANKHEIT UND TOD

Ich hörte mal von einem Knaben,
der lebte, wie Gott es will haben.
Er bestand sämtliche Proben;
Da nahm Gott ihn nach droben.

Lang suchte ich den Grund,
Warum er wurde nicht gesund.
Soll der Kranke nicht Kenntnis anstreben,
Wie er anders soll leben?

Was hatte der Junge bloß falsch gemacht?
Er hatte sein Leben doch glücklich verbracht!
Dem Menschen wird wohl das Leben genommen,
Ist geistig erstarrt er oder vollkommen.


GEHEIMWISSENSCHAFT

Des Weltraums Bild entsteht in deinem Hirn;
Und trotzdem siehst du draußen das Gestirn. 
Im Geist wird Subjekt zu Objekt gelogen
Und damit die Wahrheit herumgebogen!
Innen und Außen werden vertauscht;
Bezüge zu Strecken aufgebauscht.

Alles Wissen ist Extrakt
Aus der Wahrheit, die exakt
Absolut ist und nicht relativ;
Drum geht alles drüber Reden schief.
So, was Eingeweihte stets geheim genossen,
den Gelehrten ewig bleibt verschlossen.

Wenn dem Sucher Innen und Außen verschwimmt,
Wenn innere Geister auch außen sind,
Wenn im Geiste du durchs Weltall schreitest
Und merkst, daß es nicht Trug, sondern Wirklichkeit ist,
Dann umfaßt in deiner Angst dich der Wahn,
Oder du wächst mutig in neuen Welten heran.

Abrakadabra, wo Gedanken zu Kreisen sich schließen,
Objekt-Erscheinungen dem Geist entsprießen. 
Wo Gedanken im Irrtum sich selbst aufheben,
Entsteht auf der Welt neues Leben.
So der Zauber der Schöpfung dem Tode entspringt;
Den Erkennenden das Nichts verschlingt!

Wer diese Worte im Wesen begreift,
Mit einem Fuß schon das Jenseits streift;
Jenseits von Gut und Böse, Tod und Leben,
Jenseits von Stark und Schwach, Warten und Streben.
Er merkt, daß sein Geist ist der Welten Gestalter
Zum nächsten der zahllosen Zeitalter.


KLAGELIED EINER MUTTER

Ich ack're, ich rack're, ich mühe mich ab,
Ich  schleich mich, ich duck mich, bin ruhig wie's Grab.
Dem Kinde soll's später mal besser ergeh'n, 
Kommt mir mein Opfer auch teuer zu steh'n.

Dem Glück meines Kindes ganz opfere ich
Die Freiheit, das Glück, meinen Frohsinn, ja mich!
Und ist dann das Kind endlich größer geworden,
O Gott - ist meine Seele abgestorben!

Mein Leben ist trostlos und leer,
Seit ich hab' mein Kind nicht mehr.
Ja, mein Kind sagt mir im Bösen,
Ich sei schlecht Vorbild ihm gewesen.

"Wie soll aufgeh'n meiner Seele Licht,
Wenn ich gelernt hab' nur Verzicht?
Wie kann ich jemals glücklich sein?
Sah ich doch nichts als deine Pein!"

Hart hat das Kind die Worte gesprochen;
Ist seine Seele wie meine gebrochen! 
Hätt' ich doch nicht auf mein Leben verzichtet,
Dann hätt' ich auch nicht das des Kindes vernichtet!

Ach hätt' ich den Teufelskreis früher durchschaut;
Mir und dem Kinde besser vertraut,
Blieben erspart uns etliche Qualen,
Ohne dafür zu bezahlen!


APOKALYPSE

Unaufhörlich und mit Zwang
Naht das End der Welt heran.
Rüstungs- und Parteienwahn
Künden es schon deutlich an.

Alles haben die Führer bedacht,
Nur nicht, daß die Bombe mich freigemacht! 
Denn seit es keine Zukunft mehr gibt,
Bin ich in die Freiheit verliebt!

Ein sich'rer Beruf,        feste Gedanken,
Erwies sich als Schein,      gerieten ins Wanken;
Planendes Denken fand ich dumm und naiv;
In Zweifel zog ich alles nun tief.

Da mich die Welt nicht mehr interessierte,
Sah ich, was in der Seele passierte. 
Ich fand, daß sie ist Schöpfer der Welt, 
Und das Band war wieder hergestellt.

Nun kenn' ich den wahren Ursprung der Taten;
Bewußte Handlungen nur Irrtum verraten!
Das wahre Geschehen hat der in der Hand,
Der also das Wirken der Seele erkannt!

Und dieses Erkennen gelingt nur dem,
Der ehrlicherweise nur Wahres läßt steh'n.
Drum suche man erst nach wahren Begriffen,
Dann kann man die Klippen sicher umschiffen.


DER AUSSERIRDISCHE

Du kommst vom fremden Stern
Und bist mir doch so nah;
Die Menschen sind mir fern,
Nun bist du endlich da!

Ich dacht', daß es nicht möglich ist,
Daß Menschen Fremdes seh'n,
Seit du jedoch auf Erden bist,
Muß ich was neu verstehn!

***

Oh nein, sprach da das gute Wesen, 
Du glaubtest schon das Rechte;
Dein Geist wuchs mir entgegen
Und fort vom Menschengeschlechte!

Dein Geist verletzte die Regeln der Zeit;
Drum starbest du auf Erden.
Du lebst nun in der Gegenwart,
Der Menschen Zukunft werdend!

***

Ich lieb die Menschen trotz der Ferne,
Und wollte die Mauern abbauen.
Besonders Einen hatt ich gerne;
Gewann leider nie sein Vertrauen!

***

Ein Jeder liebt nur Seinesgleichen;
So liebtest du den Autarken. 
Auch er wollt sein Ziel erreichen;
Drum mußt er alleine erstarken!

Der Preis der Selbsterkenntnis,
Den du hast zu zahlen,
Ist der Menschen Unverständnis 
Und der Seelen Qualen!

Auch Freunde wirst du keine finden,
Doch Lehrer darfst und mußt du werden.
Den Menschen Selbsterkenntnis künden,
Soll sein dein Werk auf Erden!

Dein Geist den Brüdern und Schwestern entwächst;
Zu Vater und Mutter er strebt;
Hab Ehrfurcht, ja Demut vor deinem Rest,
Daß er fruchtbar die Lehre vorlebt!

***

Oh Geist, der zu mir spricht 
Hinter meinem Rücken,
Warum zeigst du dich mir nicht? 
Möcht die Wahrheit gern erblicken!

Deine Sprache klingt gequält,
Als hättst du Angst und Pein.
Hast kindliche Worte gewählt
Und flößt doch Furcht mir ein!

Ich könnt dich nicht ertragen,
Wenn ich nicht sicher wüßte,
Daß alle teuflisch Plagen
Entstammen meinem Gelüste!

Doch sag mir, böser, guter Freund, 
Wie komm ich zu den Ehren?
Nicht jedem Menschen du erscheinst.
Kamst ohne mein Begehren!

***

Hast Du erst ein Bild vom Geiste,
Ist der Geist zum Ding geworden.
Erstarrt von ihm ist dann das meiste, 
Und der Geist ist abgestorben!

Angst und Pein sind mir nicht eigen;
Die Sprach jedoch, fast dinglich, fällt mir schwer.
Nur ängstlich kann sie ins Bewußtsein steigen,
Denn dies bekämpft mich sehr!

Zu dir, mein Freund, bin ich gekommen,
Weil du offen bist für mich.
So ist der Schleier weggenommen,
Den geschaffen hat dein Ich.

Verläßt du dein bewußtes Denken,
Verfeinern sich die Sinne.
Ihnen muß du Glauben schenken; 
Nicht der Gedankenspinne!

Wer haben will die reine Sicht,
Darf nicht die Bilder deuten.
Muß alles nehmen, wie es ist,
Wenn Viele es auch bereuhten.

Ohne Willen mußt du manchaml sein,
Da die Empfindung, rezeptiv, für "Leiden" steht,
Dann wächst Dein Geist ins Glück hinein,
Und er nicht untergeht.

Die Phantasie erblüht in schönster Zier
Dem Göttlichen entgegen;
Paß auf, daß sie sich nicht verliert:
Du mußt ihr einen Rahmen geben.

Stell dem Gefühl Vernunft entgegen,
Vereine Religion und Wissenschaft;
Mußt Polarität anstreben;
So gewinnst du neue Kraft.

Ungerufen kam ich aus der Tiefe herauf,
Da dein Wille mich stört, nicht zu suchen vermag;
Unaufgefordert geb ich dich nun auf,
Daß du bestehst die weltlichen Proben am Tag.

Ins Leben schick ich dich nun wieder;
Dein Tod war nur ein Traum,
Vorbei dein geistig Fieber;
Es sprach der Erkenntnisbaum.

***

Oh nein, so geh noch nicht, mein Geist!
Ich bitt dich, bring mir eins ins Reine:
Einst schrieb ich "Glaube ist, wo ich nicht weiß."
Wie soll ich beides einen?

***

Der Glaube des Bewußtseins ist das Wissen;
Das Wissen der Geister ist der Glaube.
Von einem läßt das andre stets die Wahrheit missen;
Alles wird im Chaos und Zufall zu Staube.

Die Begriffe 'Zufall' und 'Unendlichkeit'
Markieren die Grenzen der Wissenswelt;
Name, Form und Zählbarkeit
Nicht ins System der Geister fällt.

Zwei Hirne hast du zum Begreifen;
Laß beide Welten in dir reifen.
Das eine stellt das Weltall dar von innen,
Das andre das eine betrachtet mit Sinnen.

So Zwei allmählich wird zu Eins;
Das ist so gut wie keins!
Die Zeit erstirbt, der Raum ist nicht;
Das ist die Welt im Gleichgewicht.

***

So ich nun dieses alles weiß,
Was bleibt mir jetzt zu tun?
Das sag mir noch, mein Geist,
Ich kann nicht eher ruhn.

***

Dein ganzes Wissen ist nichts wert;
Ich sag sogar, es ist verkehrt,
Wenn es nicht gleich der Handlung ist.
Was du nicht tust, das besser du vergißt!

Allein die Tat, sie kann nicht lügen,
Ihr muß sich alles Denken fügen.
Denn nicht der Gedanke ist Ursach der Tat:
Was leider noch niemand begriffen hat.

Handeln ist das Denken im Geisterland;
Theorien und Pläne als Erkenntnisrand
Zeigen nur Wachstum des Bewußtseins an;
Man sie als Erscheinung des Zufalls bezeichnen kann.

Zur Selbsterkenntnis möcht ich raten:
Erkenne deine Taten!
Ähnlich klangen Jesus letzte Worte,
Wohl wissend, wie wichtig an diesem Orte.

Bevor ich geh für diese Nacht,
Noch eh der neue Tag erwacht,
Geb ich dir ein Rätsel auf, das ich ersann:
Ich sagte, daß dein Wille mich nicht suchen kann

Und erhörte doch dein Bitten.
Dies ist nicht logisch, unbestritten,
Und trotzdem ist's so recht.
Es sprach dein Meister und Knecht.

****

Am nächsten Abend:

Ich sitz auf dem Bette ohne Gedanken;
Die Zeit nun kürzer oder länger vergeht.
Hinter den Lidern die Farben wanken;
Aus einem Flecken ein Mensch entsteht.

Da nahm ich das Rätsel von gestern auf
Und weiß, was ich werde angeben:
Liegen Bitten und Wollen in meinem Schicksalslauf,
So ist's mein Handeln und nicht mein Streben.

***

Ja, ich kam dir wie gerufen!
So wars und muß es sein.
Diese Bedingung muß ich suchen;
Dein Schicksal ist auch meins.

Als Lohn, um deine Tat zu ehren,
Will ich dir nun verschlüsselt sagen,
Was du sollst die Menschen lehren,
Denn nur wenige könnens nackt ertragen!

Cudon, Cufa-Ul Se Pra-Vor Badan.
Du siehst, daß alles schon getan;
Beachte, was Begul für eine Macht,
Und welches Elend sie gebracht!

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