Hans-Joachim Heyer

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REX MUNDI

Auf gepflegter Wiese
Inmitten gezähmter Kaninchen
Tat ich, was Wenige tun:
Frei ließ ich den gefangenen Igel!

So wurd' ich die Wildnis gewahr,
Wo kopfgewappnete Böcke
Mit steinernen Herzen
Sterbend lagen,
Schon bevor die Hüter des Walds
Den Fangstoß ihnen gaben.

Gut lebte hier der Hase
Mit wachen Sinnen.

Es gab ein Hüter mir
Flügel zum Dienste,
Zu suchen den Gürtel,
welcher umfängt,
Damit ich nicht verliere,
Was mir gegeben,
Sondern erwecke
Am Jüngsten Tag.

Hinauf trugen mich die Schwingen
Bis in den Himmel.
Fern vom Gedränge der Städte
Fand ich den Bauherrn der Welt
In seinem Turm der Lüfte.

Ihm folgte ich hinab
In die Tiefe,
Über morsche Böden hinweg,
Witternd die Falle,
Nachahmend seine Schritte,
Damit mir Gleiches zustieße wie ihm.

Am sumpfigen Fundament unten,
Zwischen üppig-grünem Bewuchs,
Im Reiche des Teufels,
Wo man das Böse nicht sieht,
Da sprang er zur Seite:
Mein Gott! Er hat mich verlassen!

Ich aber stieg auf,
Einem Adler gleich
Und schlug dem, der Flügel nicht kennt,
Ein Zeichen in die Schulter.
Da kam das Erwachen.

Es sagte das Licht ohne Schatten:
Mit leibhaftem Geist,
Mit geisthaftem Leib,
Mußt du dem Bösen nicht widerstehen!

*

Schachwelt

Die Welt ist ein Schachspiel!
Du glaubst es mir nicht?
Es kämpft dort das Dunkle
Gegen den strahlenden Geist.

Warum bist du ein Bauer nur
Oder ein Offizier,
Meinetwegen auch Dame oder König?
Sie alle werden geschubst und gezwungen,
Vom Brette gefegt
Und in die Kiste gelegt.

Sei doch der Spieler,
Der über allem steht!
Du glaubst mir nicht?
Aber dein Bauerndasein,
Das glaubst du wohl!

Durchdringe die Welt:
Such' Wahrheit, wo sie auch sei.

Dann wirst du enthoben den Zwängen, 
Bleibst übrig,
Ewig, 
Während die Holzköpfe
In unendlichen Variationen
Nach jedem Spiel neu beginnen,
Und das Ewige vergeblich
Auf dem Schachbrett suchen.

*

Scheinheilige

Es ist wohl wahr:
Fleisch zeugt vom Fleisch
Und Geist zeugt vom Geist.
Und das Fleisch nimmt das Zeugnis des Geistes nicht an.

Aber ach!
Es plappern die Erdlinge
Worte der Heiligen nach
Und machen die Wahrheit zur Lüge
Und erkennen es nicht.

Der größte Feind der Wahrheit
Ist der Kopist.
Jedes Wort der Freiheit
Aus seinem Munde
Ist Todeshauch.

(Joh. 3.6 und 3.31-34)

*

Diebe

Diebe sind die Schriftgelehrten,
Denn sie erzählen, was sie gehört und geseh'n.
Doch weder wissen noch verkünden sie,
Was sie geworden und in sich finden.

Sie haben verloren den Schlüssel
Der Erkenntnis des Wahren.
Meine magische Sprache verstehen sie nicht,
Seit der Höhere mich hört.

Und ein Spiegel bin ich den Dieben.
Was sie in mir sehen,
Ist das Verborgene ihrer Herzen.
Drum bin ich der Welt ein Teufel.

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