Hans-Joachim Heyer

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DIE EINLADUNG

von Oriah Mountain Dreamer, Indianerin


Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.


Es interessiert mich nicht, wie alt du bist, Ich will wissen, ob du es riskierst wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.


Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen, ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.
Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz - meinem oder deinem - dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.


Ich will wissen, ob du mit der Freude - meiner oder deiner - da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.


Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.


Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig. Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus der universalen Kraft speisen kannst.

Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern - meinem oder deinem - leben kannst und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: "Ja!"


Es interessiert mich nicht, zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast. Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muß.


Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie du hergekommen bist.
Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.
Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. Ich will wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.


Desiratha
(aus der alten St. Pauls-Kirche Baltimore (1692) bei Jockgrim (Landau/Pfalz)
gelesen und notiert von Martin Moritz)

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu anderen Menschen.
Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen ruhig zu, auch den Geistlosen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen; sie sind eine Qual für den Geist.

Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemand geben, größer oder geringer als du.

Freue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne; bleibe weiter an deinem eigenen Wege interessiert, wie bescheiden auch immer.
Es ist ein echter Besitz im wechselnden Glück und Zeiten.

In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lasse Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug. Aber nichts soll dich blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum. Sei du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung, noch sei zynisch, was die Liebe betrifft, denn auch im Augenblick aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie Gras.

Ertrage freundlich den Ratschluß der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich im plötzlich hereinbrechenden Unglück schütze.

Aber erschöpfe dich nicht mit Phantasien. Viele Ängste kommen aus Ermüdung und Einsamkeit. Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit dir selbst.

Du bist ein Kind Gottes, genauso wie die Bäume und Steine; du hast ein Recht, hier zu sein, und ob es dir bewußt ist oder nicht, es besteht kein Zweifel, das Universum entfaltet sich wie vorgesehen.

Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung du auch immer von ihm hast.

Was auch immer deine Arbeit und Scheu ist, erhalte dir den Frieden mit deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens.

Mit all der Schande, der Plagerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne Welt.

STREBE BEHUTSAM DANACH, GLÜCKLICH ZU SEIN


eine andere Version:

Desiderata

Gehe gelassen inmitten von Lärm und Hast und denke daran, welcher Friede in der Stille sein mag.

Soweit wie möglich versuche mit allen Menschen auszukommen, ohne dich zu unterwerfen.

Sprich deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Dummen und Unwissenden, auch sie haben ihre Geschichte.

Vermeide laute und aggressive Personen, sie sind eine Plage für die Seele. Wenn du dich mit anderen vergleichst, dann magst du eitel oder bitter werden, denn es gibt immer größere und geringere Menschen als du.

Freue dich über deine Erfolge und Pläne.

Nimm deine Arbeit ernst, aber bleibe bescheiden; es ist ein wirklicher Besitz in den wechselnden Geschicken des Lebens. Sei vorsichtig mit geschäftigen Dingen, denn die Welt ist voller Listen. Aber sei nicht blind für das Gute. Viele Menschen streben nach hohen Idealen und überall ist das Leben voller Größe.

Sei du selbst. Besonders heuchle keine Zärtlichkeit. Sei aber auch nicht zynisch in Bezug auf die Liebe. Denn angesichts aller Trockenheit und Entzauberung ist sie wiederkehrend wie das Gras.

Nimm gütig den Rat der Jahre an und lass mit Anmut die Dinge der Jugend hinter dir. Nähre die Stärke der Seele, um im plötzlichen Unglück nicht schutzlos zu sein. Aber beunruhige dich nicht mit Grübelein. Viele Ängste werden aus Erschöpfung und Einsamkeit geboren.

Abgesehen von einer gesunden Disziplin sei milde mit dir selbst.

Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne; du hast ein Recht hier zu sein. Und ob es dir klar ist oder nicht, kein Zweifel, das Universum entfaltet sich wie es soll.

Deshalb sei in Frieden mit Gott. Wie immer du ihn dir auch vorstellst und was immer deine Mühe und Ziele sein mögen in der lärmenden Verwirrtheit des Lebens, halte Frieden mit deiner Seele.

Mit all ihrem Schein, der Plagerei und den zerbrochenen Träumen ist es doch eine schöne Welt.

Sei achtsam und versuche glücklich zu werden.

Gefunden in der alten St.-Pauls-Kirche

Baltimore 1692

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