Hans-Joachim Heyer

4 Mose 15,35 Sabbat

Ein Mann sammelte am Sabbat Holz und wurde dafür mit dem Tode bestraft. Jesus sagte in Markus 2,27: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“ Jesus sagte dies, nachdem seine Jünger am Sabbat bei den Wanderungen am Rand von Getreidefeldern Ähren gerauft und die Körner gegessen hatten, worin die Pharisäer einen (todeswürdigen) Bruch des Sabbats sahen.

An anderer Stelle (Matthäus 5,17) erklärt Jesus, er habe das Gesetz nicht aufgehoben, sondern es erfüllt.

Das bedeutet m.E., dass das jüdische Gesetz für jene Menschen gilt, die es zu ihrer Bewusstseinsentwicklung brauchen, aber nicht mehr für jene, die den Sinn des Gesetzes begriffen haben und fähig sind, zu tun, was der eigentliche Grund der Gesetzgebung war. Der Mensch wird von außen gezwungen, das Richtige zu tun, bis er die Einsicht hat und aus eigenem Verständnis richtig handelt.

Der Mensch – auf jeden Fall der antike Jude – wurde gezwungen, einen Tag der Woche nicht zu arbeiten und stattdessen Kontemplation zu üben, zu philosophieren, Gott in seinem Herzen zu suchen. Das gilt bis heute: Wer heutzutage Wahrheit sucht, sollte sich vom Alltagsgeschehen nicht allzusehr ablenken lassen. Wenigstens einmal in der Woche sollte er sich einen Tag lang mit spirituellen Fragen beschäftigen – nach Gott, nach Wahrheit, suchen, und hierbei ist das Studium der Bibel das wichtigste Hilfsmittel. Ich persönlich widme dem Geistigen nicht einen ganzen Tag der Woche, sondern jeden Tag mehrere Stunden.