Hans-Joachim Heyer

Wiederverzauberung der Welt 2

In dieser Arbeit wird nach einem kurzen Appell an die von Erich Fromm in die Philosophie eingeführte persönliche Entscheidung zwischen „Haben oder Sein“ eine Verbindung hergestellt zwischen den scheinbar weit auseinanderliegenden Themen wie:

–     Kritik an UFO – ›Experten‹,
–     Radikaler Konstruktivismus,
–     (Klar-) Träume,
–     Entwicklung des Kapitalismus zur Herrschaft der Fondmanager,
–     Wesen und Bekämpfung der strukturellen Arbeitslosigkeit.
–     Falsche Fragen, falsche Antworten. Energiesteuer! (auch „Kritik“ behandelt das Thema Energiesteuer)
–     UFO– und Seelenproblematik.

Anhand dieser Themen soll der Kampf jener Menschen aufgezeigt werden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, eine öde, entzauberte, vom toten Geist des Kapitalismus zerstückelte Welt wieder zu beseelen.

Ich habe in den vergangenen 20 Heften des DEGUFORUMs ziemlich ausführlich meine Theorie zum Wesen der Wirklichkeit dargelegt und möchte darauf aufbauend ihre praktischen Konsequenzen, soweit ich sie überblicke, vorstellen. Freilich wird nur derjenige, der auch die anderen Arbeiten studiert hat, in den vollen Genuß der ›unglaublichen‹ Möglichkeiten kommen, die die neue Weise, die Welt zu sehen, bietet. Wirklich neue Gedanken brauchen sehr, sehr viel Zeit der Gewöhnung. Mehr als ein langsames Herantasten an den Kern des Geheimnisses ist nicht möglich. Ich selbst habe gut 20 Jahre gebraucht, bis ich mich vom Geist der Schulwissenschaft genügend emanzipiert hatte und es mir gelang, das ›Unvorstellbare‹ vorzustellen. Dem gewissenhaften Sucher wird es kaum in kürzerer Zeit gelingen.

Ich muß manchmal schmunzeln über Zeitreise- oder UFO- Interessierte, die glauben, sie könnten in zehn Minuten in solche Geheimnisse einweiht werden. Sie glauben tatsächlich, sie wüßten Bescheid, wenn man ihnen bloß »den unwiderlegbaren Beweis« vor Augen führen würde! Denen will ich hiermit sagen: Ihr wißt dann immer noch gar nichts! Man kann Beweise (z. B. Radaraufzeichnungen von UFOs) auch einem Affen vorlegen, und der weiß nachher nicht mehr, als vorher. Es kommt auf die Fähigkeit an, Informationen zu deuten, zu interpretieren, und zwar nicht nach einem starren Weltbild, sondern mit der Absicht, sein Weltbild zu verbessern. Bescheid weiß man also erst, wenn man tatsächlich praktisch in das Geschehen involviert ist.

Wer eingeweiht werden will, muß dafür arbeiten. Auch das Lesen dieses Artikels ist Arbeit. Er liest sich nicht „von selbst“ wie z. B. die BILD – Zeitung. Viele UFO – Interessierte und – Forscher haben sich bisher die Arbeit, meine Beiträge zu lesen, leider noch nicht gemacht. Diesen Eindruck habe ich jedenfalls, wenn ich ihre Briefe, Zeitschriften – Artikel oder Bücher lese. Noch immer werden von ihnen die ewig gleichen Fragen gestellt, und keiner scheint bemerkt zu haben, daß im DEGUFORUM schon lange plausible Antworten stehen – jedenfalls plausiblere, als das, was heutzutage modern ist und in Dutzenden von Publikationen ergebnislos wieder- und wiedergekäut wird. Eine Diskussion der in DEGUFORUM veröffentlichten Ideen findet nicht statt.

Jacques Vallees Thesen (s. DEG. 5 und „Vallee“) und Fiebags Mimikry – Theorie, (s. DEG. 12) die meinen eigenen Überlegungen zum Teil recht nahe kommen, sind überhaupt keine Theorien, denn sie beschreiben nur, aber sie erklären nichts. Illobrand von Ludwigers Theorie – ein Ableger der Theorie Burkhard Heims – s. DEG. 7) – ist eine rein physikalische Theorie, die wie alle physikalischen Theorien alles, auch das Subjektive, objektiviert und sich somit als methodisch veraltet erweist.

Wie die Fremden unsere kulturellen Muster nutzen, um mit ihnen maskiert in unsere Welt eindringen, steht ausschließlich in DEGUFORUM! Nur hier bekommt der Leser eine fundierte echte Theorie angeboten – und zwar schon seit Jahren von Heft zu Heft weiterentwickelt. Ich hatte immer gehofft, das wäre zumindest der ›Spezialisten‹ – Szene der UFO – Forscher aufgefallen, aber Fehlanzeige!

Schon seit Jahren sehe ich mich mit der frappierenden Tatsache konfrontiert, daß diejenigen Leser, die vom DEGUFORUM, aber auch anderen Zeitschriften, Büchern und Fernsehen ausschließlich objektiv informiert werden wollen, überhaupt nichts hinzulernen – ganz im Gegensatz zu denjenigen, deren Herzen eher von subjektiven Fragen bewegt werden, zum Beispiel der Frage nach der Bedeutung von Informationen für das eigene Leben oder nach einem Weg zu mehr Lebensqualität (im Gegensatz zu Quantität).

Was nützen „Fakten, Fakten, Fakten,“ wenn nur eine Neugier damit befriedigt und nicht die eigene Lebensphilosophie daran geprüft wird? Wer nach seinem »Sein« fragt, kommt weiter, nicht wer mehr (Wissens-) Besitz haben will. Es stellt sich die Frage: Wie überträgt man den dicken Wissensstapel, den man sich angelesen hat, in ›lebendiges, gefühltes Wissen‹,  bzw. ›Weisheit‹? Hier scheint das große Manko zu liegen! Die Menschen wissen viel, aber sie wissen nicht, wie man dieses Wissen in Weisheit umwandelt, also wie man Sinnliches in Übersinnliches transzendiert – und wie man sein Wissen in Hingabe gefühlvoll praktisch lebt. »Wie mache ich Wissensnahrung zu einem Stück von mir?« Die meisten Menschen verstehen es nicht, geistige Nahrung aufzunehmen, zu verdauen und in geistkörpereigene, seeleneigene Substanz umzuwandeln. Und warum sie es nicht können, soll mein Abstecher in die Kapitalismus – Thematik aufzeigen.

Wer sich selbst verstanden hat, hat die Welt verstanden. Wer nach diesem Motto verfährt, hat die Chance, auch die UFO- und die Zeitreisefrage zu verstehen, denn indem er sich verstehen lernt, lernt er sich auch zu verändern, und das führt früher oder später zum Herauswachsen aus der Welt und zur Begegnung mit anderen außerweltlichen Wesen. Und wer sein Bewußtsein zum Selbstbewußtsein entwickelt, wird das Wesen der Zeit erkennen und es lernen, Zeitreisender zu werden: Wahres Lernen ist das Sich-verändern und nicht das Sammeln von Informationen.

Die meisten Menschen wollen unbedingt genauso bleiben wie sie sind und wollen, daß Technik ihnen ihre Arbeit abnimmt: daß Raumschiffe sie zu den Außerirdischen bringen und Zeitmaschinen in andere Zeiten. Ihre gegenwärtige – in  der Schule gelernte – völlig naive Vorstellung von Raum und Zeit darf dabei jedoch nicht angetastet werden: Sie wollen in ihrem illusorischen jetzigen Bild, das sie von sich und der Welt haben, diese Reisen unternehmen. Sie wollen wie Neckermann – Touristen reisen: auf keine heimatliche Gewohnheit verzichten, das Fremde nur anschauen, und wollen völlig unversehrt, unverändert, wieder nach Hause kommen. Aber ›unverändert‹ heißt hier: ohne das Geringste gelernt zu haben! Sie wollen eine garantiert sinnlose Reise! Wer diese Art von Reise wünscht, muß freilich noch ein paar Jahrzehnte warten, bis die Raumfahrtindustrie Pauschalreisen zum Mond anbietet.

Schon oft habe ich über die »ewige Seele« geschrieben, direkt und indirekt, zuletzt in DEGUFORUM 20 in »Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen. Auch im Beitrag »Der Radikale Konstruktivismus« steht Wesentliches zu diesem Thema. Leider wurden wegen eines Komputerfehlers und eines Mißverständnisses zwischen den Redakteuren ausgerechnet jene Kapitel verändert, die speziell auf die Seelenthematik eingehen sollten. Nun, wir werden das autorisierte Original zu gegebener Zeit veröffentlichen. In unserer Internet – Homepage wurde der Irrtum bereits behoben. Hier können Sie schon heute das Original abrufen. Die abgedruckte, nicht autorisierte, Version reicht jedoch trotz einiger sachlicher Unstimmigkeiten aus, das Verständnis des folgenden zu erleichtern. Das entscheidende Kapitel 7 des Originals sei hier nachgeholt. Im Anschluß daran werde ich den Artikel „Klarträume“ aus Heft 3, den nur wenige Leser kennen werden, wiederholen und dann einen Auszug aus einem Briefwechsel aus DEGUFORUM 12 bringen, in welchem ich ein eigenes Erlebnis schilderte, das zur Klärung der Frage nach dem multidimensionalen Kosmos wesentlich beigetragen hat. Die Arbeit geht weiter mit Beiträgen über den Kapitalismus und die Arbeitslosigkeit, die aufzeigen sollen, mit welchen Methoden heute Mensch und Welt manipuliert werden und schließt mit Ausführungen über die UFO – und Seelen – Problematik.

Zusammengefaßte Darstellung des Radikalen Konstruktivismus:

Ausgangspunkt des Konstruktivismus ist das naturwissenschaftliche Weltbild, in welchem alle Theorien empirisch geprüft werden. Aus diesem Grund ist diese Theorie Empirie-fundiert. Man hat allerdings die Perspektive gewechselt: Statt wie in der Naturwissenschaft von den Sinnen auszugehen, geht der Konstruktivismus vom Gehirn aus. Einigen Naturwissenschaftlern, besonders Hirnforschern, ist aufgefallen, daß das Gehirn – entsprechend des naturwissenschaftlichen Modells – keinen unmittelbaren Zugang zur Umwelt hat. Ihm stehen ausschließlich Nervenimpulse (‘klick’ – ‘klick’) zu Verfügung. Allein aus diesen Impulsen konstruiert das Gehirn eine kognitive Welt. Raum, Zeit, Materie, Bewegung, Energie, der eigene Leib, das eigene Gehirn, selbst die eigenen Gedanken sind allesamt Konstrukte des ‘realen Gehirns’. Da das ‘reale Gehirn’ nicht mit Begriffen wie ‘Raum, Zeit und Materie’ beschrieben werden kann, unterscheidet es sich wesentlich vom kognitiven Gehirn.

Ich werde es deshalb ‘Seele’ nennen. Diese Seele erschafft (über Resonanzen) im Konsens (oder Streit) mit anderen Seelen ihre kognitive Welt. (In der Naturwissenschaft ist diese Kausalität umgekehrt: Dort geht aus der Materie der Geist hervor (wenn überhaupt)). Es gibt also nur Seelen, die – weder räumlich, noch zeitlich, allerdings seinsmäßig – von mir getrennt sind, mit mir in Resonanz treten (s. u.  bei „Klarträume“ das Kapitel „Erschaffung eines Gesellschaftstraumes und DEG. 4, S. 13, Sp. 3) und Störungen hervorrufen können (Resonanzstörungen treten innen auf; sie kommen nicht als ‘Information’ von außen herein.) und mich bei der Konstruktion meiner kognitiven Welt dazu bringen (aus Plausibilitätsgründen), fremdgesteuerte Wesen und eine Außenwelt zu projizieren. Im Extremfall – nämlich dem, daß ich an die Objektivität der materiellen Welt glaube – habe ich also meine GESAMTE Welt nach den Maßgaben Anderer gebildet. Dann bin ich freilich nicht mehr „Herr meines Hauses“. Also versuche ich, meine Welt zurückzuerobern, indem ich der Ratio meine Phantasie (meinen Mythos) entgegenstelle. Die Welt, wie ich sie wahrnehme, ist meine Konstruktion, meine Welt: Außenansicht meiner Seele.

Gegen den Konstruktivismus wird häufig ins Feld geführt, daß er immerhin Empirie-fundiert sei und zweitens in starkem Solipsismus1 – Verdacht stehe. Dem entgegne ich, daß er ausschließlich wissenschaftshistorisch aus einem empirischen System hervorgegangen ist, nicht aber logisch, denn im Konstruktivismus ist der Geist primär und die Materie sekundär. Der Konstruktivismus ist auch nicht solipsistisch, denn er geht – jedenfalls meiner Auffassung nach – davon aus, daß es andere Seelen gibt, die nichträumlich vom Subjekt getrennt und über Resonanzstörungen miteinander intern in Kontakt stehen. Außerdem sollte ein Solipsismus – Verdacht nicht ausreichen, eine Theorie zu verdammen! Auch die Urknalltheorie ist im Grunde solipsistisch! Und hat das je einen Kosmologen davon abgehalten, sich damit zu beschäftigen?

Klarträume

Vor einiger Zeit träumte mir, ich sei in einem mittelalterlichen Dorf: Fachwerkhäuser, wassergebundene Dorfstraßen, Hühner und Schweine auf der Straße. Ich betrachtete die Szenerie zuerst von einem Hügel aus. Dann befand ich mich mitten im Dorf auf der Straße, und plötzlich wurde mir bewußt, daß ich träumte. Ich schaute mich an: Ich trug verwaschene Kleidung aus sehr grobem Stoff. Meine Hände sahen völlig real aus. Ich konnte die Finger ganz normal bewegen und fühlen.

„Mein Gott, all das, was ich hier sehe, soll nicht real sein?“ dachte ich. „Ich muß diese Gelegenheit nutzen und diese Welt untersuchen!“ Ich bückte mich, rupfte ein Kleeblatt ab und zerrieb es zwischen zwei Fingern. Sie färbten sich grün, genau wie in Wirklichkeit! Dann hob ich einen faustgroßen Stein auf. Er war fest und schwer, bestand also aus Materie. Ich war sicher, daß man unter einem Mikroskop seine kristalline Struktur würde feststellen können. „Dieser Stein ist ein echter Stein!“ sagte ich zu mir. Ich stand wieder auf und besah mir die Gegend: blauer Himmel, Schäfchenwolken, am Horizont ein Wald. „Ich könnte jetzt zu diesem Wald gehen und würde echte Bäume vorfinden!“ dachte ich und wollte mich auf den Weg machen, doch ich vergaß bei diesem Gedanken, daß ich träumte und wachte etwas später auf.

Seit diesem Erlebnis weiß ich, daß ich Welten schaffen kann, die der ‘Realität’ in nichts nachstehen, und ich suchte Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der sogenannten realen Welt und der Welten meiner Klarträume. So fand ich beispielsweise heraus, daß Gegenstände im Klartraum nur dann fest, also materiell, sind, wenn ich nicht auf die Idee komme, sie mit meinen Händen oder dem ganzen Körper zu durchdringen. Auch mein Körpergewicht gibt es nur, solange ich unbewußt daran glaube. Wünsche ich nämlich zu fliegen, reicht der Befehl: „Hoch!“ aus, um mich in die Lüfte zu erheben. In einem Klartraum sind mir keine Grenzen gesetzt, außer der, daß ich nichts tun darf, was mich aufweckt und nichts tun kann, was mir nicht einfällt. Hindernisse gibt es hier also nur, wenn ich vergessen habe, daß ich sie überwinden kann.

Und wie verhält es sich mit der realen Welt? – Möglicherweise kann ich in ihr eine Wand nur deshalb nicht durchdringen, weil ich in unbewußten Bereichen meines Klein- oder Stammhirns, wo vielleicht die reale Welt erträumt wird, diesen Wunsch nicht denken kann, weil mein „Reptilienhirn“ zu blöde dazu ist. Fragt sich nur, wie bringe ich (Großhirn) mein Reptilienhirn auf neue Gedanken?

Könnte ich meine Klarträume so organisieren, daß ich jede Nacht nur noch von einer einzigen Traumwelt träumen würde, und könnte ich meine Fähigkeit, zu fliegen, Wände zu durchdringen und andere Zaubereien zu vollbringen, vergessen, wäre kein Unterschied zwischen Klartraum und realer Welt mehr feststellbar. Leider sind in meinen Klarträumen noch keine anderen Menschen aufgetaucht. Diese Träume sind bei mir sehr selten, und bisher habe ich nie daran gedacht, Menschen herbeizuzaubern. Aber ich glaube auch so zu wissen, daß solche Traummenschen keine von mir unabhängigen Personen sein können, es sei denn, ich mache mich schizophren und spalte mein Bewußtsein.

Es kristallisierte sich die Frage heraus, ob es ein weiterer Unterschied zwischen realer und geträumter Welt sei, daß die Traumwelt ausschließlich von mir und die reale Welt von allen Menschen gemeinsam geträumt sein könnte. Ich las zu dieser Zeit die Bücher Castanedas. In einem seiner Werke beschrieb Castaneda das gemeinsame Träumen mit seiner Freundin. Könnte also unsere reale Welt in Wahrheit ein kollektiver Traum von fünf Milliarden Menschen sein?

Erschaffung eines Gesellschaftstraumes

Ich stellte mir fünf Milliarden ewige, vierdimensionale Seelen vor, die völlig unabhängig voneinander waren, in ihren subjektiven Traumwelten lebten und nichts voneinander wußten. Zwar war jede Seele uneingeschränkter Gott seiner Traumwelten, aber wer weiß? Vielleicht fühlten sie sich einsam und suchten Kontakt zu anderen Göttern, deren Existenz sie nur vermuteten.

„Wie aber kann ein solcher Kontakt hergestellt werden, wenn man die Bilder (Traumwelten) der Anderen nicht kennt? Man müßte eine Realitätsebene kreieren, die eine Dimension weniger enthält, als man selber. So wäre Vielheit möglich, und man könnte auf ihr kommunizieren, ohne Gefahr zu laufen, mit den Anderen zu verschmelzen. Wie wäre es, wenn alle Götter einen gemeinsamen Traum träumen würden? Dann könnten sie sich in materiellen Leibern verkörpern miteinander verkehren: sich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und NCHT immer gleich wissen, was der Gegenüberstehende denkt! Endlich einmal Wesen begegnen, die man NICHT selbst geschaffen hat! Man könnte etwas von ihnen lernen; man könnte echte Geheimnisse erforschen! Ach, wäre das schön! – Also ran ans Werk!“ mögen die Götter gedacht haben.

Und schon gingen die Probleme los: Kontakt zu den Anderen war ja noch keiner vorhanden; man glaubte ja bloß, daß es noch Seinesgleichen mit derselben Sehnsucht geben müsse. Man konnte unmöglich herausfinden, was ein Anderer träumte! Also ging man methodisch vor und erschuf die einfachst mögliche Traumwelt: ein dreidimensionales, schwarzes Nichts, in dem man sich als Lichtpunkt raum/zeitlich hindurchbewegte und nach anderen Lichtpunkten suchte – Seelen, die dasselbe Raum/Zeit-Kontinuum geträumt hatten. Doch wie fand  man andere Lichtpunkte? Man mußte eine Art Auge schaffen. Nun sahen die Götter ein unendliches, schwarzes Weltall.

Tatsächlich tauchten nach Äonen etwas Sichtbares auf. Später gesellten sich weitere Lichtpunkte hinzu. Kommunikation konnte jedoch nur über diese primitiven Punkte stattfinden. Also versuchte jeder für sich sie zu komplexeren Systemen zu erweitern. Hatten mehrere Götter zufällig (?) identische erweiterte Systeme geschaffen, waren sie zu einer komplexeren Kommunikation fähig. Vielleicht entwickelte sich auf diese Weise allmählich eine gemeinsame Traumwelt. Was wir ‘reale Welt’ nennen, wäre dann die Sprache der Götter, und die Pflanzen, Tiere und Menschen wären Worte dieser Sprache.

Da in der Welt so viele andere Götter mitmischten, vermochte ein einzelner Gott nicht mehr zu tun, was er wollte. Die Welt hatte scheinbar ihren eigenen Willen. Sie entwickelte sich nach ihren eigenen Gesetzen. So konnte es nicht ausbleiben, daß die Götter zu Empirikern und damit zu sterblichen Menschen wurden: Gefangene der Welt. Sie wurden von ihrer eigenen Schöpfung beherrscht, was zur geistigen Verwirrung und wiederum zur Zerstückelung und Atomisierung ihrer Welt führte. In ihrer Verwirrung führten sie Kriege gegeneinander, und wir wissen ja, daß zwei Streithähne sich immer ähnlicher werden, je länger sie gegeneinander (besser: miteinander!) streiten.

Auf diese Weise stellte auch das gegenseitige Abschlachten wiederum einen Konsens her. Aber welch höllische Welt hatten sich die Seelen geschaffen! Wie tief waren die Götter gesunken! Selbst ihr eigenes Bewußtsein hatten sie eingebüßt: Nur noch fremdbestimmtes Wissen war von ihnen übrig.

Fragt man einen Menschen: „Wer bist du?“ antwortete er: „Ich bin das, was ich von mir wahrnehme: der Leib, den ich sehe und das Wissen, das ich in Schule und Beruf gelernt habe. Wenn ich sage: ‘Das und das ist meine Meinung!’ dann wiederhole ich nur, was Andere in mich eingepflanzt hatten, als ich müde und widerstandslos mir das Geseibere im Fernsehen anhörte.“ Solch empirisches, aufoktoyiertes  Bewußtsein ist gar kein Selbst – Bewußtsein. Solche Menschen sind Sklaven fremder Herren, ohne es zu wissen; sie sind gar nicht wirklich existent, denn ihr wahres Bewußtsein schläft in einer unbekannten Kammer ihres Geistes.

Um so realistischer erscheint ihnen dann jedoch die Welt! Voller Sachzwänge beweist sie den Menschen ihre unerbittliche Realität! Träume sind unerfüllbar. Die Welt fordert von jedem jungen Menschen den Selbstverrat, die totale Erniedrigung und Unterordnung. Kein Mensch darf mehr sein Leben leben, sein ihm eigenes Schicksal erfüllen; alle müssen einer fremdbestimmten Pflicht nachkommen, sind Sklaven eines Herren, den sie nicht kennen.

Die Götter haben ihr Ziel erreicht, aber sich selbst verloren, nach dem Motto: „Operation erfolgreich, Patient tot!“ Sie leben gemeinsam in einem einzigen Traum. Alles in dieser Traumwelt ist ihnen fremd geworden! Es gibt Geheimnisse, Abenteuer, Gespräche, unbeantwortete Fragen. Es gibt Unbekanntes zu erforschen. Wunderbar! Aber es gibt keine Götter mehr, die diese Abenteuer genießen können, denn sie haben ihr Bewußtsein verloren. Statt zu genießen, leiden sie in ihrer selbstgeschaffenen Hölle! Alles Tun ist sinnentleert.

Doch es gab und gibt immer wieder einmal eine Ausnahme. Manchmal kommt ein eingefleischter Empiriker auf die Idee, die Bedingungen seines Wissenserwerbs und die Grundlagen seines Weltbildes zu hinterfragen, und er kommt zu dem Schluß, daß seine Welt gar nicht so real ist, wie er dachte, daß sie eine Erscheinung für seinen Denkapparat sein muß. Und er kommt auf die Idee, daß alles, was er weiß, eine riesige Täuschung ist, und daß er  in Wahrheit nicht in einer objektiv vorhandenen materiellen Welt lebt, sondern bloß ein Gott ist, der träumt…

Besuch von Außerirdischen

Es stellt sich nun die Frage, wie wir es erleben würden, wenn Wesen, die unserem Weltkonsens noch nicht angehören und ihn auch nicht kennen, uns besuchen wollen.

Zuerst müssen sie sich unserer Raum/Zeitstruktur anpassen. Solange sie hier noch experimentieren, würden wir dies folgendermaßen mitverfolgen können: Ein einfacher Körper, zum Beispiel eine Kugel, würde plötzlich aus dem Nichts auftauchen und wieder verschwinden oder sich mit großen Geschwindigkeitsschwankungen fortbewegen (Anpassung an unsere Zeit), ein einfacher Körper würde einmal sehr groß, ein anderes mal sehr klein erscheinen (Anpassung an unsere Größenverhältnisse und Raumstruktur), ein Körper verändert seine Form, wird nebelartig, beginnt in wechselnden Farben zu leuchten usw. (Anpassung an unsere Materiedefinition).

Ihre Versuche, eine Kommunikation mit uns aufzubauen, würden wir so erleben: Visionen nebelartiger, bewegter Strukturen, Augenflimmern, Auflösungserscheinungen des gewöhnlichen Sehfeldes, Brummgeräusche, Gefühlssensationen und schließlich Stimmenhören und unmittelbare Eingebungen esoterischer Erkenntnisse (Channeling). Der Abschluß solcher Übungen wäre dann das für uns gewohnte Gegenüberstehen und Sprechen von Mensch zu Mensch.

Was das Channeling (und alle anderen Arten der Kontaktaufnahme) betrifft, muß unbedingt die rationale Kontrolle aufrecht erhalten werden. Ich weise deshalb ausdrücklich darauf hin, weil ich schon in verschiedenen Publikationen dermaßen haarsträubendes gechanneltes Material, angeblich von Außerirdischen durchgegeben, gelesen habe, so daß hier äußerstes Mißtrauen angebracht ist.

Man lese bitte in diesem Zusammenhang meine Rezension des Buches „Die Botschaft von Roswell – Erste Kontakte zur Hyperzivilisation“ von Rene Coudris in DEG. 12. – ein Musterbeispiel für gechannelten Schwachsinn.

Der Geister – Igel

Ich hatte am 3.10.1996, morgens um 4.30 Uhr,  ein Erlebnis, das geeignet sein könnte, das Erscheinen von Außerirdischen zu erklären.

Am späten Abend des 2.10. hatte ich gerade Fiebags Buch „Sternentore“ fertig gelesen und mir Gedanken darüber gemacht, bzw. mich gefragt, in welchem Grade materiell die fremden Wesen sein mögen, wenn sie uns mittels Mimikry körperlich erscheinen. Sind sie anfaßbar materiell oder nur Trugbilder? Ich war zu keinem Schluß gekommen und über meinen Gedanken eingeschlafen. Gegen 4.30 Uhr war ich dann wegen meiner verstopften Nase aufgewacht. Es dämmerte draußen bereits oder es fiel genügend Licht vom Mond oder einer Straßenlaterne ein. Ohne Licht anmachen zu müssen, suchte ich mir ein Taschentuch und schneuzte die Nase. Ich wollte mich gerade wieder hinlegen, da sah ich einen Igel am Fußende meines Bettes herumlaufen! Ich war nicht sonderlich erschreckt; war ich doch schon einiges gewöhnt! Ich wußte sofort, daß das kein echter Igel von draußen sein konnte, also war er eine Art Projektion oder Erscheinung, wie sie auch UFO-Zeugen sehen oder wie sie in den Castaneda-Büchern beschrieben sind. Die Lichtverhältnisse im Zimmer reichten aus, mir den Igel genau anzusehen. Er war mittelgroß, also noch nicht ausgewachsen. Er schnaufte hörbar, wie Igel das nun mal tun. Beim Laufen drückte er sichtbar die Bettdecke ein, und als er über meine Beine lief, fühlte ich sein Gewicht! Nun war klar, er war in meinem subjektiven Universum materiell anfaßbar existent. Trotzdem war ich der Überzeugung, daß andere Menschen ihn wohl nicht gesehen hätten. Nun wollte ich einige Experimente machen: ihn anfassen, das Licht der Nachttischlampe anknipsen usw. Leider tat ich Letzteres zuerst. Ich machte das Licht an, ohne meinen Blick vom Igel zu trennen. In dem Moment, als das Licht anging, verschwand der Igel blitzartig.

Konsequenzen

Aus solchen Erlebnissen schließe ich mit Hilfe meiner konstruktivistischen Erkenntnisse, daß ich in meinem Geist innere geistige Wesenheiten erschaffen kann, indem ich sie mir vorstelle oder erträume. Diese können dann in die reale Welt hineinprojiziert werden. Die reale Welt ist ja auch nur eine Projektion; also sollte es möglich sein.

Nun gibt es jedoch außer mir noch andere, äußere Wesenheiten, z. B. die Seelen meiner Mitmenschen. Zwischen ihnen, also den äußeren und meinen inneren, selbsterschaffenen Geistern gibt es keinen qualitativen Unterschied, da ›innen‹ und ›außen‹ bereits kognitive Produkte sind, wie der Konstruktivismus – Artikel gezeigt hat. Der Igel war also eine echte Schöpfung meines Geistes. Er verschwand beim Licht anmachen nur, weil mein im Reptilienhirn verborgener innerer Zensor erkannte, daß er nicht zum Gesellschaftstraum gehört (Er erkannte den Igel als Projektion des kognitiven ›innen‹.)

Ich erinnere mich an eine Episode bei Castaneda, wo der Zauberer Juan Matus auf seiner Hand eine lebendige Maus materialisierte und dazu anmerkte, das sei die wahre schöpferische Kraft des menschlichen Geistes – und nicht etwa der Bau irgendwelcher Maschinen.

Die Artikel »Der Radikale Konstruktivismus« und »Klarträume« zeigen, wie sehr unsere gelebte Wirklichkeit von unseren Gedanken abhängt, daß jedoch unsere Gedanken nur zu einem sehr geringen Prozentsatz wirklich uns gehören, denn jede Objektivität ist nichts als fremdgesteuerte Subjektivität. Wir haben eine rationale Schicht und darunter eine seelische Schicht (und dazwischen das ›Reptilienhirn‹). Wenn wir z. B. fliegen können wollen – wenn die rationale Schicht es will – reicht es nicht aus; die seelische Schicht muß es wollen (Im Traum ist die rationale Schicht ausgeschaltet, nicht im Klartraum). Aber:

–     Wie können wir der Seele diesen Wunsch mitteilen?
–     Was hindert uns an der Kommunikation mit der Seele?
–     Wie wird sich unsere Wirklichkeit verändern, wenn wir alles Eigene, alles Subjektive aufgeben?
–     Was wird aus uns, wenn wir unsere Seelen komplett verkauft haben und ausschließlich den Gesetzen des Geldes gehorchen?
–     Was geschieht, wenn wir den Gesellschaftstraum ›aufkündigen‹, z. B. weil er uns zu langweilig oder zu grausam ist?

Ich fand heraus, daß uns das Erlernen der ökonomischen Spielregeln am Kontakt mit der Seele und der Wahrheit hindert. In früheren Artikeln nannte ich häufiger das wissenschaftliche Denken dafür verantwortlich, doch heute weiß ich, daß die moderne Wissenschaft sich vollständig der Ökonomie untergeordnet hat. Sie sucht nicht mehr nach Wahrheit, sondern nach Erfolg – und Erfolg definiert sich am Kapital. Da Wahrheit und Erfolg zwei Pole zweier entgegengesetzter Marschrichtungen sind, wird deutlich, daß Wissenschaft heute nicht mehr aufklärt, sondern verdummt. Sie zerstört Bewußtsein in fast demselben Ausmaß wie die Ökonomie. Lesen Sie dazunoch einmal den Artikel „Wissenschaft im Bann ökonomischer Interessen und Zwänge“ (DEG. 17).

Die bewußtseinsprägende Macht der Ökonomie soll im folgender Arbeit untersucht werden.

Entzauberung der Welt durch den Geist des Kapitalismus

Wohin entwickelt sich der Kapitalismus?

Unter dieser Überschrift lassen sich einige SPIEGEL – Artikel und Buchauszüge zusammenfassen, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Im SPIEGEL 7/1999 steht unter »Kapitalismus ohne Gesicht« : „Deutschlands Wirtschaft steht vor gravierenden Veränderungen: Anonyme Fondsgesellschaften übernehmen die Macht in den Konzernen. Mit dem Milliarden- Vermögen von Kleinanlegern aus aller Welt setzten sie die Topmanager unter Druck.“

In diesem Artikel lesen wir, daß immer mehr Bürger ihre Ersparnisse in Aktienfonds stecken. Diese Art der Geldanlage verspricht wesentlich höhere Gewinne, als die risikolosen Spareinlagen. Die Fonds werden von in der Regel sehr jungen Fondsmanagern verwaltet. Ihre Aufgabe ist es, mit dem Geld der Sparer an der Börse zu spekulieren, z. B. gewinnträchtige Aktien zu kaufen oder schwache Aktien rechtzeitig abzustoßen. Offenbar waren die Spekulanten in den letzten Jahren sehr erfolgreich, denn inzwischen werden ihnen derart große Summen zur Spekulation anvertraut, daß die alten Spielregeln nicht mehr wie gehabt funktionieren. Im Spiegel heißt es:

„Um die Rendite der Fonds zu steigern, reichte es anfangs, die Kundengelder mal hier, mal da anzulegen. Doch die großen Gesellschaften, die Supertanker der Finanzmärkte, können längst nicht mehr mit ihren Milliarden herumzappeln wie ein Kleinanleger. Der Verkauf großer Aktienpakete ist meist nur mit Preisabschlag möglich, weil jede Verkaufswelle auf den Börsenkurs drückt. .. Früher, als ihre Einsätze noch gering waren, zogen sie ihr Geld wieder ab, wenn das Management einer Firma ihnen mißfiel. Heute bleibt das Geld – und der Manager muß spuren oder gehen.

… Mit den neuen Kapitalisten verschieben sich die Gewichte im weltweiten Monopoly um Arbeitsplätze, Fabriken und Gewinne. Was hierzulande als Modell Deutschland gepriesen wird – großzügige Mitbestimmung, üppiger Sozialstaat, strenge Arbeitsschutzgesetze, –  gilt den Geldfürsten der Fonds oftmals als Ärgernis. … Sie kennen keine nationalen Grenzen, sie akzeptieren, wenn überhaupt, nur widerwillig die Gegenmacht von Gewerkschaften. Ihr einziges Interesse gilt dem Profit. … Der neue Kapitalismus hat kein Gesicht mehr, die Fondsmanager sind einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. »Wir müssen uns mit Haut und Haar ausliefern«, klagt Klaus Soer, zuständig für Investorenwerbung beim Maschinenbaukonzern Buderus. »Die Finanzmärkte übernehmen die Kontrolle« ergänzt ein Sprecher der Deutschen Bank.“

Man kann nicht einfach BMW – Aktien im Wert von zwei Milliarden DM kaufen oder verkaufen, ohne den Kurswert dieser Aktie dabei zu verändern. Das heißt: Man kann nicht mehr eine objektive Kursentwicklung von außen beobachten und darauf möglichst geschickt reagieren, sondern man erkennt seinen direkten Einfluß auf das Kursgeschehen: Der Spekulant wird in eine aktive Rolle gezwungen! Wer große Kapitalsummen kontrolliert, hat direkten Einfluß auf die Liquidität der Konzerne. Wer viele Aktien eines Konzerns kontrolliert, kann ihre Geschicke mitbestimmen – und genau das tun die Manager der Fondsgesellschaften.

Leider sind viele dieser Fondsmanager nur sehr einseitig gebildet. Sie kommen oft „direkt von der Universität, haben Mathematik, Informatik oder Betriebswirtschaft studiert, ihre Welt ist die Welt der Zahlenkolonnen und der Statistik- Charts. … Ihr einziges Interesse gilt dem Profit, und ihr Lieblingswort heißt Rationalisierung.“

Verantwortung für Menschen, das soziale Netz, Kultur überhaupt – darüber wissen sie nichts, und das interessiert sie nicht. Das haben sie auf der Uni auch nicht gelernt. Sie haben nur die Börse im Kopf; ja ihre Köpfe sind Börsen. Und diese dummen Jungs haben die Macht, Konzernchefs, Politiker gar, abzusetzen und durch eigene Figuren zu ersetzen. So kommt es, daß wir von Unpersonen regiert werden, denn nicht diese verbildeten Studenten haben die Macht, sondern das, was in ihren Köpfen ist: der Kapitalismus pur. Es ist ja nicht so, daß diese Buben tun, was sie wollen; sie haben weder Wille noch Bewußtsein; sie tun blind, was die ihnen einprogrammierten Gesetze des Kapitalismus verlangen. (Siehe hierzu meine Ausführungen über die ›gefallenen Götter‹ in »Klarträume«.)

Die Macht der Fondmanager ist, da sie sich sauber an die Gesetze der Ökonomie halten, nur eine indirekte; in Wahrheit herrscht nicht der Manager, sondern der Kapitalismus.

Max Weber schreibt in seinen »Gesammelten Schriften zur Religionssoziologie« darüber, wie der Geist des Kapitalismus auf den Charakter des Menschen wirkt.

Wilhelm Hennis, aus dessen Buch „Max Webers Fragestellung“ ich zitiere, schreibt:

„Am Ende der Untersuchung (über den Kapitalismus) bricht es aus ihm (Weber) heraus: niemand wisse noch, wer künftig in jenem »Gehäuse« der modernen kapitalistischen Lebensordnung wohnen werde »und ob am Ende dieser ungeheuren Entwicklung ganz neue Propheten oder eine mächtige Wiedergeburt alter Gedanken und Ideale stehen werden, oder aber – wenn keins von beiden – mechanisierte Versteinerung, mit einer Art von krampfhaftem Sich – wichtig – nehmen verbrämt«. Dann allerdings könnte für die »letzten Menschen« dieser Kulturentwicklung das Wort zur Wahrheit werden: »Fachmenschen ohne Geist, Genußmenschen ohne Herz: dieses Nichts bildet sich ein, eine nie vorher erreichte Stufe des Menschentums erstiegen zu haben«“. 2

„Webers Verachtung, ja Haß, galt denen, die sich in diesem Getriebe glauben eine sturmfreie Existenz bewahren zu können. Wodurch war der Kapitalismus für ihn (Weber) bestimmt? Einmal … durch das Diktat der Kapitalrentabilität … und durch die Tatsache des massenhaften  Tauschs. .. Im Gefolge der Massenhaftigkeit des Tauschs (kommt) die Verunpersönlichung aller menschlichen Beziehungen… Weber bezeichnete … den Kapitalismus gerne als »herrenlose Sklaverei«. Immer wieder betonte er, daß die kapitalistische Wirtschaftsordnung auf formal freier Arbeit beruhe. Das hieß, der Arbeiter hatte keinen Herrn mehr mit der Folge, daß die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ethisch nicht mehr ausdeutbar war.“

Friedrich Nietzsche schrieb zu derselben Thematik:

„Die »Schande« des Arbeiters der »Fabrik – Sklaverei« als »Schrauben einer Maschine und gleichsam als Lückenbüßer der menschlichen Erfindungskunst verbraucht zu werden. Pfui! Zu glauben, daß durch höhere Zahlung das Wesentliche ihres Elends, ich meine ihre unpersönliche Verknechtung, gehoben werden könne! … einen Preis zu haben, für den man nicht mehr Person, sondern Schraube wird! … Der Mangel an Person rächt sich überall … die großen Probleme verlangen alle die große Liebe …«“  3

Im SPIEGEL – Gespräch mit dem amerikanischen Schriftsteller Gore Vidal unter dem Titel „Amerika ist ein Polizeistaat“  4 antwortet Vidal auf die Frage, was sich ändern würde, wenn Vizepräsident Al Gore den gegenwärtigen Präsidenten Clinton ablösen würde:

„Niemand würde einen Unterschied merken. An der Macht wären weiterhin die Wirtschaftsbosse, die keine großen Veränderungen wünschen, nicht besteuert werden wollen und deshalb gegen öffentliche Ausgaben sind, vor allem gegen jede Sozialpolitik. Sie schicken ihre eigenen Leute in den Kongreß, sie bezahlen die Wahlkämpfe, sie finanzieren Gore, wie sie Clinton finanziert haben.“

An anderer Stelle sagt Vidal:

„O ja, die Grundrechte werden stetig ausgehöhlt. Amerika ist heute ein Polizeistaat. In unseren Gefängnisse herrschen schreckliche Zustände. 5 Überall werden Informationen über jedermann gesammelt. 30 Millionen Arbeitnehmer stehen unter elektronischer Überwachung…“

Wer also hat denn nun die ›wahre Macht‹? Entgegen des SPIEGEL – Essays behaupte ich, daß es nicht die Fondmanager sind, (die die Wirtschaftsbosse entthront haben), und entgegen der Ansicht Vidals behaupte ich, daß es auch nicht die Wirtschaftsbosse sind. Sondern es sind die Welterklärer, die Interpretatoren, die Meinungsmacher, Mythenerfinder, die Legitimatoren, Philosophen, kurz: die Sinnstifter. Lesen Sie dazu bitte die ausführliche Arbeit »Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit« von Berger und Luckmann in DEG. 18. Freilich dürften die Sachverständigen für Weltordnung“ an der Spitze von Medienkonzernen (Verlage, TV-Anstalten) zu finden sein und offiziell als Konzernbosse gelten. Sie sind es, die die Ausbildung der Fondmanager und der Industriellen organisieren und deren kulturellen Werte, z. B. Gewinnstreben und Seelenverrat eingepflanzt haben. Sie sind die Schöpfer der Bewußtseine der Bevölkerung. Der normale, normierte Mensch denkt ausschließlich die Gedanken, die diese Herren legitimiert haben.

Viviane Forrester beschäftigt sich im neuen SPIEGEL – Buch »Der Terror der Ökonomie« mit der strukturellen Arbeitslosigkeit. Die Technik erleichtert nicht nur menschliche Arbeit; sie nimmt dem Menschen auch Arbeit weg. Die grassierende Massenarbeitslosigkeit ist demnach ein Erfolg des technischen Fortschritts. Daß es heute arbeitende und nichtarbeitende Menschen nebeneinander geben muß, ist also systembedingt. Forrester fragt nun, warum den Arbeitslosen über die Massenmedien systematisch Minderwertigkeitsgefühle einprogrammiert werden, und warum sie von den Errungenschaften unserer Kultur ausgeschlossen werden.

Es folgt ein Ausschnitt aus Viviane Forresters Buch: 6

„Die Scham sollte an der Börse gehandelt werden: Sie ist ein wichtiger Grundstoff des Profits.

Sie ist ein stabiler Wert, genau wie das Leid, das sie hervorruft oder von dem sie hervorgerufen wird. Wundern wir uns daher nicht über die unbewußte, ja instinktive Besessenheit, mit der versucht wird, genau das wiederherzustellen (und nötigenfalls zu konservieren), was an ihrem Ursprung steht: ein abgestorbenes, vollständig gescheitertes System, dessen künstliche Erhaltung es aber erlaubt, insgeheim Schikanen und Tyranneien auszuüben, während zugleich der »soziale Zusammenhalt« geschützt wird.

Daraus entsteht eine wesentliche, nie gestellte Frage: »Muß man zu leben ›verdienen‹, um das Recht zu leben zu haben?« Eine winzige Minderheit, die im Überfluß mit Macht, Besitz und Privilegien ausgestattet ist, mit einem gewissermaßen selbstverständlichen Reichtum, hat dieses Recht schon von Amts wegen. Der Rest der Menschheit muß sich der Gesellschaft gegenüber als »nützlich« erweisen, sein Leben zu »verdienen«, muß sich zumindest dem gegenüber als »nützlich« erweisen, was die Gesellschaft leitet und beherrscht: der Wirtschaft, die stärker als je zuvor mit dem Geschäftemachen gleichgesetzt wird, also der Marktwirtschaft. »Nützlich« sein bedeutet dabei fast immer »rentabel« sein, das heißt nützlich für den Profit. Mit einem Wort: »verwendbar« (»verwertbar« wäre schlechter Geschmack!).

Dieses Verdienst – oder eher: dieses Recht – auf Leben erwirbt man also durch die Pflicht zu arbeiten, die Pflicht, beschäftigt zu sein. Sie wird nun zu einem unantastbaren Recht, ohne welches das Gesellschaftssystem nur ein gigantisches Vernichtungsgeschäft wäre.

Aber wie steht es um das Recht zu leben, wenn diese Pflicht nicht mehr besteht, wenn es untersagt ist, die Pflicht zu erfüllen, die den Zugang zu diesem Recht ermöglicht, wenn unmöglich wird, was vorgeschrieben ist? Wir wissen, daß der Zugang zu Arbeit und Beschäftigung heute auf Dauer versperrt ist; durch allgemeine Unfähigkeit oder das Interesse einiger weniger oder einfach durch den Gang der Geschichte sind die Zugänge nicht mehr vorhanden – und immer heiße es, das sei Fügung des Schicksals. Ist es normal oder gar logisch, daß Menschen zu etwas gezwungen werden, was kaum noch vorhanden ist? Ist es auch nur legal, etwas als notwendige Bedingung zum Überleben zu fordern, was gar nicht existiert?

Dennoch ist man verbissen damit beschäftigt, dieses Fiasko zu perpetuieren. Man hat sich in den Kopf gesetzt, eine vergangene Zeit, ein abgestandenes Modell als Norm zu betrachten; man macht die Jagd auf Phantome, die Erfindung eines Surrogats, die versprochene und ständig hinausgeschobene Verteilung von etwas nicht mehr Existentem zum offiziellen Inhalt ökonomischer, politischer und sozialer Handlungen. Man behauptet weiterhin, wir befänden uns in keiner Sackgasse, es handele sich nur darum, einige wenige mißliche und vorübergehende Folgen gewisser reparabler Schnitzer zu überstehen.

Was für ein Betrug! So viele Schicksale, die nur deshalb geopfert wurden, weil das Bild einer untergegangenen Gesellschaft erhalten werden soll, die auf Arbeit und nicht deren Abwesenheit begründet war; so viele Existenzen, die den fiktiven Eigenschaften des Feindes geopfert wurden, den man zu bekämpfen vorgab, Opfer der Chimären, die man vorgeblich verringern will und kann!

Werden wir es noch lange hinnehmen, die Betrogenen zu sein und als einzige Feinde diejenigen zu akzeptieren, die man uns präsentiert, nämlich verschwundene Feinde? Bleiben wir der Gefahr, die uns bedroht, und den wirklichen Klippen gegenüber blind? Unser Schiff hat bereits Schiffbruch erlitten, wir aber ziehen es vor (dazu werden wir auch ermuntert), uns das nicht einzugestehen und an Bord zu bleiben, lieber in vertrauter Kulisse zu sinken, als ein paar Rettungsversuche zu unternehmen.

Und so setzen wir unsere recht seltsamen Gewohnheiten fort. Man weiß nicht, ob es angesichts eines andauernden, nicht zu behebenden und wachsenden Mangels an Arbeitsplätzen lächerlich ist oder eher grausig, jedem der nach Millionen zählenden Arbeitslosen eine nachweisbare und ständige Suche vorzuschreiben (und zwar an jedem Werktag jeder Woche, in jedem Monat, Jahr für Jahr) – nach einer Arbeit, die es nicht gibt. Ihn zu verpflichten, tagelang, wochenlang, monatelang und manchmal über Jahre hinweg seine Zeit damit zu verbringen, sich täglich, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr vergeblich anzubieten – ein Unterfangen, das die Statistiken ihm bereits im voraus als aussichtslos erklären. Sollte die Tatsache, an jedem Werktag, jede Woche, jeden Monat und bisweilen über Jahre hinweg verdrängt zu werden, etwa eine Beschäftigung, ein Metier, einen Beruf darstellen? Sollte das etwa eine Stellung, ein Job oder womöglich eine Lehrstelle sein? Ist das ein annehmbares Schicksal? Eine vernünftige Beschäftigung oder ein wirklich empfehlenswerter Zeitplan?

Das erinnert eher an einen Versuch, zu beweisen, daß die Rituale der Arbeit fortbestehen, daß die Betroffenen weiter betroffen sind und von einem trostreichen Optimismus dazu gebracht werden, sich weiter in die Warteschlangen einzureihen, die die Arbeitsämter (oder andere Institutionen) schmücken, wo sich stapelweise Beschäftigungsmöglichkeiten befinden, die nur seltsamerweise kurzzeitig von Gegentendenzen blockiert werden! Nur der durch das Verschwinden der Arbeit entstandene Mangel besteht derweilen weiter …

Zeigt sich in der dauernden Ablehnung, in den endlosen Zurückweisungen nicht vor allem eine Inszenierung, deren Aufgabe darin besteht, die »Suchenden« von ihrer Nichtigkeit zu überzeugen? Dem geneigten Publikum das Bild ihres Mißerfolges einzuhämmern und die (falsche) Vorstellung zu verbreiten, die Betroffenen seien selbst dafür verantwortlich (und daher bestraft worden) – wo sie doch nur für den allgemeinen Irrtum, für die Entscheidung einiger weniger und für die Blindheit aller (einschließlich ihrer selbst) bezahlen? Ihr mea culpa vorzuführen, das sie übrigens selbst anstimmen? Besiegte.

Sie alle verkörpern in die Enge getriebene, gefesselte, geschlagene Einzelschicksale, die sich vom Rand der Gesellschaft abspalten. Zwischen diesen Enteigneten und ihren Zeitgenossen entsteht eine Art immer undurchsichtiger werdende Trennscheibe. Und weil die Enteigneten immer weniger wahrgenommen werden, weil man sie sich in immer stärkerem Maße ausgelöscht, aus der Gesellschaft entfernt vorstellt, bezeichnet man sie als Ausgeschlossene. Das Gegenteil ist aber der Fall: Ihr Schicksal ist mit dieser Gesellschaft verzahnt, sie sind in ihr eingekerkert, vollständig eingeschlossen! Sie sind von ihr absorbiert, aufgesogen, auf immer abgeschoben, an Ort und Stelle deportiert, an Ort und Stelle verstoßen, verbannt, unterworfen und entthront – bei all dem aber so störend: Sie sind Störenfriede! Sie sind nie ganz, nie genug ausgestoßen! Eingeschlossen, viel zu sehr eingeschlossen – eingebettet in die Verleugnung.

Eine Gesellschaft von Sklaven, denen allein die Sklaverei einen Status verleiht, wäre nicht anders eingerichtet. Aber warum sollte man sich denn belasten, und sei es nur mit Sklaven, wenn deren Arbeit überflüssig ist? Wie ein Echo auf die Frage, die weiter oben auftauchte, folgt daraus eine weitere, die zu hören man Angst hat: Welchen Nutzen kann ein Leben haben, das nicht nützlich für den Profit ist?«

Hier zeigt sich vielleicht der Schatten, die Andeutung eines Verbrechens. Es will schon etwas heißen, wenn eine ganze »Population« (in dem von Soziologen bevorzugten Sinne) von einer klarsichtigen, hochentwickelten Gesellschaft unauffällig an den Rand des schwindelerregenden Abgrunds, des Zusammenbruchs geführt wird: bis an die Grenzen des Todes und bisweilen darüber hinaus. Es will auch etwas heißen, daß jene, die die Arbeit in den allermeisten Fällen knechtet, dazu gebracht werden, um Arbeit zu betteln, und zwar um egal welche und egal zu welchem Preis (das heißt immer: zum niedrigsten). Sie geben sich zwar nicht alle mit Leib und Seele dieser aussichtslosen Bettelei hin, aber die allgemeine Meinung fordert, sie sollten es tun.

Für jene, die die wirtschaftliche Macht in den Händen halten (das heißt die Macht schlechthin) will es etwas heißen, wenn sie die Unruhestifter, die gestern protestierten, forderten und kämpften, als Knechte vor sich haben. Wie angenehm zu sehen, wie sie flehen, um endlich das zu erlangen, was sie gestern verschmähten und heute für den Heiligen Gral halten! Nun hat man die anderen in der Gewalt, die – ohne Gehalt, ohne Stellung – kaum aufmucken, weil sie zu große Angst haben, so seltene, so kostbare und unsichere Errungenschaften zu verlieren und sich dadurch der offenen Armee der »Verelendeten« anschließen zu müssen.

Man braucht nur zu beobachten, wie Menschen genommen und wieder weggeworfen werden – ganz nach der jeweiligen Lage eines unbeständigen Arbeitsmarktes, der wie der von Mal zu Mal schrumpfende Ledertalisman in Balzacs Roman Das Chagrinleder immer irrealer wird, je nach Marktlage, von der sie und ihr Leben abhängen, die aber nicht von ihnen abhängt. Man muß sich nur ansehen, wie sie bereits jetzt in vielen Fällen nicht mehr genommen werden (in Zukunft noch weniger) und wie sie (vor allem die jungen) in einer grenzenlosen, entwürdigenden Leere dahinvegetieren und wie man ihnen das übelnimmt. Man muß nur sehen, wie das Leben sie deshalb schlecht behandelt und wie man dabei hilft, sie schlecht zu behandeln, und daß es über die Ausnutzung der Menschen hinaus noch Schlimmeres gibt: das Fehlen jeglicher Ausnutzung. Da ist es verständlich, daß die Massen zittern und jeder einzelne von ihnen zu Recht zittert, da er nicht ausnutzbar, nicht einmal mehr ausnutzbar  ist, da er für die bereits obsolet gewordene Ausnutzung überhaupt nicht mehr gebraucht wird.

Als Echo auf die Frage: Welchen Nutzen kann ein Leben haben, das nutzlos für den Profit ist?«, die selbst bereits das Echo einer anderen ist: »Muß man zu leben ›verdienen‹, um das Recht zu leben zu haben?«, entsteht eine heimtückische Furcht: das diffuse, aber begründete Erschrecken davor, wie eine große Zahl menschlicher Wesen, vielleicht sogar die meisten von ihnen, als überflüssig angesehen wird. Nicht untergeordnet und auch nicht ausgestoßen, sondern überflüssig. Und daher schädlich. Und daher …

Dieses Verdammungsurteil ist noch nicht gefällt, (wirklich nicht? – Autor) es ist noch nicht zum Ausdruck gebracht und sicherlich noch nicht einmal bewußt gedacht. Wir leben in einer Demokratie. (wirklich? – Autor) Für die Gesamtheit der Gesellschaft ist ebendiese Gesamtheit noch Gegenstand eines wirklichen Interesses, das an ihre Kultur gebunden ist, an tiefgehende, erworbene oder spontane Affekte – auch wenn sich eine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen breitmacht. Diese Gesamtheit stellt auch – vergessen wir das nicht – eine Wähler- und Konsumentengruppe dar, die noch ein anderes »Interesse« hervorruft und die Politiker dazu bewegt, sich für die Probleme »Arbeit« und »Arbeitslosigkeit« zu interessieren; diese Probleme sind zu Routinefragen geworden, die falschen Probleme, zumindest die falsch gestellten Probleme werden amtlich bestätigt, die Politiker verdrängen jede Erkenntnis eines etwaigen Problems und liefern kurzfristig immer dieselben kraftlosen Antworten auf unechte Fragen …“

Falsche Antworten auf falsche Fragen

Forrester meint damit, daß in der öffentlichen Diskussion des Themas »Arbeitslosigkeit« so getan wird, als ließe sich das Problem aus dem Geist des Kapitalismus heraus verstehen und lösen: als böte der Kapitalismus einen Ausweg aus dem Dilemma. Die Arbeitslosigkeit ist ein Produkt des Kapitalismus und läßt sich nicht durch Kapitalismus beseitigen! Schon das von den Kapitalisten verwendete Vokabular verstellt den Blick und verhindert echte Lösungen. Der Begriff ›Arbeitslosigkeit‹ unterstellt, daß ›Arbeit‹ der Normalzustand sei. Warum nennt man die Arbeitslosen nicht beispielsweise ›freie Menschen‹???? Das würde den Arbeitslosen ein ganz anderes Selbstverständnis und Selbstvertrauen geben und käme unser aller Utopie entgegen! – Aber genau das ist ja nicht gewollt! (siehe auch „Zeitgeist“ in DEG. 10.)

Was müßte getan werden, wenn klar ist, daß die Maschinen den Menschen die Arbeit wegnehmen? Es müßte eine Maschinensteuer eingeführt werden. Aber da dies sehr kompliziert wäre, wäre es wohl gescheiter, statt dessen eine Energieverbrauchssteuer (und im Informationszeitalter eine Datenübertragungssteuer) einzuführen. Die Regierung ist ja bereits dabei, es zu versuchen, aber sie wird von der Wirtschaft massiv gehindert. Das geht soweit, daß die Politik daran gehindert wird, die Wichtigkeit dieser Steuererhöhung dem Volk zu erklären. Außerdem wird nicht die Frage diskutiert, ob es sinnvoll ist, daß sich Menschen in Konkurrenz zur Maschine setzen. Warum soll ich mit einem Auto um die Wette rennen? Warum soll der Mensch der Maschine dienen? Warum drehen wir den Spieß nicht um und lassen die Maschinen dem Menschen dienen? – Das gefällt natürlich den Besitzern der Maschinen nicht. Sie betrachten die Technik ja als verlängerten Arm ihrer Macht. Sie wollen mit Hilfe der Technik ja herrschen! Sie bedienen sich also der Technik. Warum soll sich das Volk dann nicht ebenfalls der Technik bedienen?

Unsere Fondmanager sind Musterexemplare jener Diener der Technik, denn sie agieren gegen ihr Gefühl von Menschlichkeit. Daher ihr Zynismus: »Kaufe Aktien von denen, die am effektivsten Menschen überflüssig machen.« Die Fondmanager sind Symbole des Machtverlustes. Fragt sich nur, was die Herren der Welt sich dabei gedacht haben.

Kritik

Als Argument gegen meine These wird oft gesagt, daß die Arbeitslosen auf Kosten der Arbeitenden leben würden, und man könne den Arbeitenden nicht zumuten, für Faulenzer und Schmarotzer mitzuarbeiten. Ausschließlich arbeitswillige, unfreiwillige Arbeitslose sollten mit materieller Unterstützung der Arbeitenden rechnen dürfen.

Dieser Haltung kann ich nur bedingt zustimmen, denn sie geht vom Status des heutigen Arbeitslosen aus: Wie soll mit Menschen umgegangen werden, die nur die Arbeitswelt kennen und nicht an ihr teilhaben wollen? Die nicht Sklave sein wollen, aber auch nicht frei sein können? Wie behandelt man die Erniedrigten, die sich in ihrem eigenen Urteil selbst erniedrigt haben, weil sie sich selbst so sehen wollen, wie die anderen Menschen sie sehen? Was also tun mit denen, die sich selbst als Ausgeschlossene begreifen? – Die Antwort wird von den sich selbst Verstoßenden gegeben: Sie verstoßen!

Aber wie sollen die Arbeitenden mit denen verfahren, die sich nicht als Arbeitslose, sondern als freie Menschen betrachten? Ein freier Mensch sucht keinen wohldefinierten und -dotierten Arbeitsplatz, sondern einen Weg, seinen Mitmenschen sinnvoll zu dienen, weil er eingesehen hat, daß er in einem lebendigen Netz aus Geben und Nehmen lebt, daß er allein nicht existieren kann, und daß er sein Glück nur in einer lebendigen Gemeinschaft mit anderen Menschen, Tieren und Pflanzen finden kann.

-> 15.7.03: Der Betrug, mit dem die Bosse dem Volk den Blick auf die Wirklichkeit der Welt verstellen, beginnt mit dem Wort „Produktivität“, denn die Produktivität der Maschinen wird nicht gerechnet, sondern ausschließlich die des Menschen. So kommt es zu Verlautbarungen in öffentlichen Medien, daß heute zB ein einziger Landwirt die Produktivität von mehreren hundert Bauern früherer Zeiten aufweist. Ich sehe dies an meinem Heimatdorf Dienstweiler: Hier macht heute ein Landwirt ganz allein die Arbeit, die früher von der gesamten mehrhundertköpfigen Einwohnerschaft erledigt wurde. Aber sehe ich das wirklich? Nein! Ich sehe Mähdrescher, Traktoren, Heuwender, Förderbänder usw usw! Diese unglaublichen Produktivitätsberechnungen verschleiern und vertuschen die Maschinenarbeit. Indem die Maschinenarbeit zur Menschenarbeit hinzugezählt wird, wird so getan, als würden ausschließlich Menschen arbeiten, was nachweislich falsch ist. Diese Produktivitätsstatistiken lenken beim Volk den Blick in die Irre, indem die Arbeit streng an den Menschen gekoppelt wird. Würde man den Begriff „Arbeit“ auf Maschinen ausdehnen, würde sich der „Arbeitslosen“-Begriff auflösen und dann käme das Volk schnell auf den Gedanken, daß Arbeitslosgkeit kein Fluch, sondern ein Segen ist: der Grund für die Industrialisierung überhaupt! Und das Volk käme leicht auf die Idee, höhere Grundgehälter für Arbeitsfreie zu fordern, „da ja die Maschinen die Arbeit machen“. Eine solche Argumentation wollen die Bosse mit Hilfe dieser Fälschungen namens „Produktivitätsberechnungen“ verhindern. <-

Kann nicht ein Mensch, der nichts als ein vollendeter Lebenskünstler ist, der also nicht ›arbeitet‹ und auch sonst nichts ›leistet‹, der ›nur‹ ein reiches Seelenleben hat und zeigt, trotzdem ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft sein,  weil er ein Vorbild (oder Gegenbild) in der Kunst des Lebens ist? Wir alle schätzen es, wenn wir ein sogenanntes ›Original‹ kennen. Warum? – Weil Originale wertvolle Vor- und Gegenbilder sind. Weil wir sie dringend brauchen! Warum sollen solche Originale nicht von der Gemeinschaft unterstützt werden?

Sicher: Arbeitslose Seelenkrüppel kann die Gemeinschaft nicht brauchen und sollte sie auch nicht subventionieren. Aber: Lebendige, beseelte Originale sind für jede Gemeinschaft ein Lebenselixier! Diese Art von ›Arbeitslosen‹ sollten wir uns wünschen (zu sein?).

Über diese Thematik wird in der Öffentlichkeit leider nicht diskutiert. Lieber stellen unsere Politiker und Journalisten die falschen Fragen und bieten falsche Antworten. Dieses ewige Geschwätz vom ›Bündnis für Arbeit‹ geht mir inzwischen furchtbar auf die Nerven, weil dieselben Leute sich weigern, die wahren Hintergründe des Problems zu diskutieren. Man vergleiche einmal die Arbeitslosendiskussion mit der  zynischen Einstellung der Fondmanager! Die Politiker wollen uns eine Politik verkaufen, die so tut, als könnten Fondmanager Arbeitsplätze schaffen! Da hört bei mir der Spaß endgültig auf!

Wer sind jene oben genannten ›Originale‹? – Hier schließt sich der Kreis, denn sie sind jene Menschen, die ihren eigenen Mythos leben, die also das tun, was den Sklaventreibern ein Dorn im Auge ist: Mensch sein, der sich nicht vom Geist des Kapitalismus besessen machen läßt; Mensch sein, der seine Träume in die sog. Realität einfließen läßt. Hier finden wir den Praktiker dessen, was wir uns vorher theoretisch erschlossen haben, denn er ist ein Meister in der Kunst des Träumens und des Konstruierens. Er ist der wahre Künstler.

Kritiker werden einwenden, ich male eine unmögliche Utopie. Ich antworte: Wäre sie so unmöglich, wie du denkst, wäre es seitens Politik, Ökonomie und Schule nicht nötig, so viele Mittel in die Desinformation zu stecken! Jeden Tag werden hunderte von Millionen ausgegeben, um den Geist des Kapitalismus am Leben zu erhalten. Jeden Tag werden in den Massenmedien stundenlang (!) Lügengeschichten gepredigt. Nachrichten, politische Magazine, aber auch Lindenstraße und Krimiserien erzählen uns rund um die Uhr die falsche (nach Maßgabe der Elite interpretierten) Welt – die Welt, in der wir als Sklaven leben sollen.

Je siegreicher der Kapitalismus ist, desto dichter ist der ›Deckel‹, der unsere Seele von unserm Alltagsbewußtsein trennt. Jeder Druckkochtopf hat ein Überdruckventil. Aber der moderne Kapitalismus will ein widerspruchsfreies System sein und versucht, jedes Schlupfloch, jedes Überdruckventil, zuzustopfen. Technik, Wissenschaft, ja selbst Kunst, Sport und die Philosophie werden dem ökonomischen Geist untergeordnet! (Der wirtschaftliche Nutzen des Philosophischen Instituts der Uni Mainz läßt sich nicht beziffern. Also weg damit …) Was wird die Folge sein? Es gibt nur eine Antwort: Der Topf wird explodieren und die Seelenkräfte werden auf chaotische, zerstörerische Weise frei: im Krieg, im Bürgerkrieg. Hier ist Amerika unser Vorbild. Dort ist der Bürgerkrieg schon losgebrochen, und internationale Kriege ohne Amerika gibt es nicht mehr. Wie lange wird die Journalistik diesen Tatbestand noch ignorieren können? DER SPIEGEL beginnt langsam, den Teufel beim Namen zu nennen, wie z.B. die zitierten Artikel zeigen.

Zurück zur UFO-Frage

Wie sieht es aus, wenn GEIST mit Macht in eine komplett zubetonierte, verhärtete Welt ohne Überdruckventil eindringt? Es sieht aus wie das blitzartige Auftreten von Massenhalluzinationen: Immer größere Menschengruppen werden Zeuge von Erscheinungen, die scheinbar gegen die Gesetze der Physik verstoßen und für die die Wissenschaft folglich keinen Rat weiß, außer dem, daß der Wahnsinn immer weiter um sich greift. Sie nennen es dann Schizophrenie oder Psychose, aber sie wissen nicht, was hinter den Fassaden dieser Begriffe steckt.  7

Die Wissenschaft benutzt hier Begriffe für Erscheinungen, die sie nicht versteht und verschanzt sich dahinter. Wer schätzt sich nicht glücklich, wenn er dem Unbekannten einen Namen geben kann und das Unbekannte so zu Bekanntem macht. Aber er täuscht sich. Eine Schublade sagt nichts über den Inhalt aus.

Alle UFO – Phänomene, die ich bisher erlebt oder von Zeugen erster Hand gehört habe (s. DEG. 12), sind darauf zurückführbar, daß fremder Geist in unsere Welt eindringt und sich hier zu manifestieren beginnt. Und als Tore zwischen den fremden Welten und unserer Welt dienen außergewöhnliche Menschen. Und wie das alles möglich ist, erklärt u. a. mein Artikel über den Radikalen Konstruktivismus oder jener Absatz in „Klarträume“, der beschreibt, wie »die Götter sich eine gemeinsame Traumwelt erschufen«.

Die ewige Seele

Wie sieht es aus, wenn eine ewige Seele in unseren materiellen Kosmos eindringt, bzw. wie sieht eine ewige unbegrenzte Seele aus, wenn ein sterblicher begrenzter Mensch sie betrachtet?

Die Ewigkeit, also die Zeitlosigkeit, wird als zeitlich unendlich lang dauernd gesehen. Statt in der Allgegenwart zu leben, sieht sich der Mensch subjektiv endlos lange lebend; seinen eigenen Anfang und Ende kann er nicht erleben. Beobachtet er hingegen andere Menschen, sieht er Anfang und Ende: Geburt und Tod. Es gibt also drei verschiedene Weisen, einunddasselbe wahrzunehmen: die ewige, die endlose und die endliche.

Was für die Zeit gilt, gilt auch für den Raum. Ich kann mich als alokal (ohne Ort) verstehen, als multilokal und als monolokal (ich als eine und einzigartige Person).

Es gilt nun alle drei Perspektiven zu einem logischen Ganzen zusammenzufügen:.

Ich habe schon oft darüber geschrieben, wie falsch es ist, einseitig materialistisch oder einseitig spiritualistisch zu sein und habe von den Vorzügen des mittleren Weges berichtet, weil man allein auf ihm wandlungsfähig, also lernfähig, ist. Auch bei meiner Entscheidung, unter welchem Aspekt ich mich selber betrachten wollte, blieb ich diesem Grundsatz treu. Ich verwarf die rein spirituelle Perspektive, ewig und alokal zu sein, weil sie nur Gott zukommt, und ich verwarf die rein materialistische, sterblicher Körper zu sein, weil sie teuflisch ist und wählte die dritte Perspektive, die beide Extreme vereint und ›zufällig‹ identisch ist mit der Reinkarnationslehre: Ich bin schon unzählige male gewesen!

Die ewige Seele atmet, indem sie Raum-Zeit-Dimensionen aus sich selbst herauslöst und sich daraus einen Rahmen der Betrachtung bildet. So entsteht eine kognitive Welt samt materiellem Körper als Selbstbildnis der Seele. Dann versenkt sich die Seele in Betrachtung ihres Bildes und identifiziert sich immer mehr mit ihrer körperlichen Erscheinung. Sie verhärtet, erstarrt schließlich und stirbt.

Der Tod bricht den Teufelskreis, der durch die Gleichsetzung von Realität und Abbild entstanden ist, auf und verjüngt die Seele, indem die externalisierte Zeit wieder in sie aufgenommen wird. Die Seele atmet Raum und Zeit, von Leben zu Leben. Dessen bin ich mir nun gewiß.

Doch was ist Bewußtsein? – Bewußtsein ist, wenn die Seele im materialisierten Zustand sich noch an ihre ewige, jenseitige Existenz erinnert, und wenn zugleich die ewige, jenseitige Seele sich an die sterbliche Seinsweise erinnern kann.

Woher habe ich diese Gedanken? Ich weiß es nicht. Es muß eine Erinnerung sein.

Endnoten:

1             Von lat. solus ipse: ich allein. Alles ist eins.

2             Wilhelm Hennis: Max Webers Fragestellung, Tübingen 1987, S. 177

3             Friedrich Nietzsche: Fröhliche Wissenschaft V, S. 345

4             Der SPIEGEL Nr. 6/1999

5             Anm. des Autors: Jeder Bürger in Amerika kann Aktien von in Privatbesitz befindlichen Gefängnissen kaufen. Und da wir schon wissen, daß Fondmanager in der Lage sind, auf Politik und Wirtschaft Druck auszuüben, kann man sich denken, daß sie Polizei und Justiz zwingen, die Gefängnisse mit Gefangenen zu füllen. Welcher Bürger und Kleinaktionär, der sein Geld den Fondmanagern anvertraut hat, wird sie hier zurückpfeifen (können)? Ein sehr erfolgreiches Resozialisierungsprogramm, initiiert von Timothy Leary, wurde von der Gefängnisindustrie noch erfolgreicher bekämpft. In den USA gibt es zehn mal mehr Gefängnisse als in Deutschland. In Deutschland werden derzeit ebenfalls die ersten Gefängnisse privatisiert. Die katastrophalen Folgen können wir in den USA studieren. Die beiden jüngst vollstreckten Todesurteile an zwei Deutschen in einem US – Gefängnis zeigen die Aktualität dieses Themas auf: Solche Hinrichtungsspektakel sind ideale Werbeinszenierungen der U.S. – Gefängnisindustrie mit der Botschaft: »Wir sind wichtig und erfolgreich, wir sind stärker, als das Verbrechen! Das Hinrichten ist wie das Sahneabschöpfen von der Milch. Es ist der Angelpunkt der Gefängnishierarchie.«

6             Viviane Forrester: Der Terror der Ökonomie, Goldmann – Tb, München 1998, S. 15 – 21

7             Die moderne, selbstverständlich aus dem angelsächsischen Raum importierte behavouristische Psychologie ist ein Versuch, eine Psychologie ohne Psyche zu entwickeln. Man ignoriert den menschlichen Willen, Gefühle, Motivationen, Psyche, Seele etc. und versucht allein aus äußerem körperlichen Verhalten ein logisches Konstrukt herzustellen, das dann jedes menschliche Verhalten ›erklären‹ kann. 

Lieber Leser: Was war dir die Lektüre dieser Seite wert? Bitte hier klicken –> (X)
Zurück zur Startseite